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Mastozytose: eine Erkrankung der Mastzellen

 

Was sind Mastzellen?

Mastzellen gehören zur Gruppe der weißen Blutkörperchen, die vor allem in unserem Knochenmark entstehen. Erstmals wurden Mastzellen 1876 von Paul Ehrlich entdeckt und beschrieben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Zellen, die aus dem Knochenmark stammen, finden sich Mastzellen nicht im peripheren Blut, sondern nur in Geweben, wo sie für mehrere Monate oder sogar Jahre verbleiben. Wie die meisten anderen weißen Blutkörperchen zählen Mastzellen zum Immunsystem, welches an der Körperabwehr gegen Bakterien und Mikroben beteiligt ist. Als Teil eines Alarmsystems können Mastzellen sehr schnell auf fremde Angriffe durch Mikroben antworten, indem sie stark vasoaktive Abwehrmoleküle lokal ins Gewebe freisetzen. Diese chemischen Substanzen, auch Mediatoren genannt, werden von Mastzellen auch im Rahmen einer schweren allergischen Reaktion freigesetzt, welche bis zum klinischen Bild der Anaphylaxie führen kann. Einer der wichtigsten chemischen Mediatoren der Mastzellen ist das Histamin, das eine Schwellung des Gewebes (Ödem), Juckreiz, Flush und Rötung der Haut, aber auch Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel oder Durchfall verursachen kann. Histamin kann auch andere Magen-Darm-Probleme verstärken oder bei Ulkus-Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts (z.B. Magengeschwür) beteiligt sein. Schließlich ist Histamin auch ein „neuroaktiver“ Mediator und kann den Blutdruck beeinflussen. Neben Histamin produzieren Mastzellen auch viele andere chemische Substanzen und Zytokine.

 

Wer entdeckte die Mastozytose?

Die Mastozytose wurde erstmals beschrieben durch Nettleship und Tay als eine „seltene Form der Urtikaria“ im British Medical Journal im Jahr 1869. Es dauerte dann bis 1949, bis Ellis an einem Autopsiefall die Beteiligung innerer Organe entdeckte. Etwa zehn Jahre früher war der Begriff „Mastozytose“ eingeführt worden. 1957 wurde die erste Beschreibung einer Mastzellleukämie vorgestellt. Während der letzten Jahrzehnte stiegen die Erkenntnisse der Wissenschaftler zur Mastozytose dramatisch an. Eine erste Klassifikation der Erkrankung wurde Mitte der Siebziger-Jahre des letzten Jahrhunderts durch Lennert vorgestellt. 1991 schlug Metcalfe eine erste Konsensus-Klassifikation vor. Zwischen 1991 und 2000 wurden viele wichtige zelluläre, molekulare und biochemische Veränderungen entdeckt, die zur Ausbildung von Mastozytose führen. Es stellte sich heraus, dass die vermehrten Mastzellen zumindest bei den systemischen Varianten der Mastozytose monoklonaler (= neoplastischer) Natur sind. Im Jahr 2000 wurde die Konsensus-Klassifikation verbessert und aktualisiert durch Einführung eines Katalogs von Krankheitskriterien. 2001 übernahm die WHO sowohl die Kriterien als auch die Klassifikation. Basierend auf der Annahme, dass Mastzellen von myelopoietischen Vorläuferstammzellen abstammen und sich die Mastozytose oft wie eine myeloproliferative Erkrankung verhält, klassifizierte die WHO die Mastozytose innerhalb der Bluterkrankungen als eine klonale hämatopoetische Erkrankung.

 

Was ist Mastozytose ?

Die Mastozytose ist eine Erkrankung, die durch ungewöhnliches Wachstum und Akkumulation von Mastzellen i) in der Haut, ii) in inneren Organen oder iii) sowohl in der Haut als auch in inneren Organen gekennzeichnet ist. Damit ist die Mastozytose eine Erkrankung mit Vorhandensein von zu vielen Mastzellen (Extra-Mastzellen) im Körper. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können an Mastozytose erkranken. Früher wurde die Mastozytose klassifiziert in entweder kutane Mastozytose (CM) und systemische Mastozytose (SM). Bei der kutanen Mastozytose findet sich die Vermehrung der Mastzellen nur in der Haut. Um eine CM zu diagnostizieren, sollte eine Biopsie der betroffenen Haut vorgenommen werden. Die rein kutane Form der Mastozytose wird in der Regel in der (frühen) Kindheit diagnostiziert. Im Gegensatz dazu wird bei den meisten Patienten im Erwachsenenalter eine systemische Mastozytose diagnostiziert. Ein Großteil der erwachsenen Patienten zeigt typische Hautveränderungen, die im allgemeinen als Urticaria pigmentosa bezeichnet werden. Nachdem bei diesen Patienten fast immer das Knochenmark beteiligt ist (jedoch nicht bei den Patienten mit CM), wird die Diagnose einer systemischen Mastozytose bei Erwachsenen üblicherweise durch eine Biopsie des Knochenmarks gesichert. Bei den seltenen Patienten, die keine Hautveränderungen aufweisen, kann es längere Zeit dauern, bis die Ärzte an eine systemische Mastzellerkrankung als Diagnose denken und damit kann es auch länger dauern, bis schliesslich die Diagnose SM gestellt wird.

Die systemische Mastozytose ist eine Erkrankung, die auf der Basis von i. vermehrtem Wachstum von Mastzellen aus Vorläuferzellen in einem oder mehreren Organen und (zusätzlich) ii. vermehrter Ansammlung dieser Mastzellen in dem (n) entsprechenden Gewebe (n) entsteht. Im Gegensatz zu einer reaktiven Mastzellhyperplasie (erhöhte Mastzellzahl bei einer Entzündung, Krebs oder Fibrose) sind die Mastzellen bei der systemischen Mastozytose (SM) von monoklonaler Natur, d.h. sie stammen einer einzigen abnormalen (= neoplastischen) Zelle ab (Klon). Bei der kutanen kindlichen Mastozytose wurde die Ursache der Mastzellakkumulation noch nicht abschließend geklärt. Bei machen dieser Patienten scheinen die Zellen ebenfalls monoklonaler Herkunft zu sein.

Die Monoklonalität von Mastzellen bei der Mastozytose lässt sich am besten durch Vorhandensein einer Punktmutation im C-kit-Protoonkogen nachweisen. Bei der Mehrheit aller Patienten mit systemischer Mastozytose findet sich eine somatische D816V (Asp-816-Val)-c-kit-Mutation im Knochenmark, und oft auch in befallener Haut (wo Mastzellen in den Hautveränderungen zu finden sind). Bei einer kleineren Gruppe von Patienten mit systemischer Mastozytose kann man die Mutation auch in den zirkulierenden (peripheren) weißen Blutkörperchen finden. Im Gegensatz dazu ist die D816V-c-kit-Mutation bei der kutanen Mastozytose gewöhnlich in keinem Organ nachweisbar.

Der natürliche klinische Verlauf der Mastozytose ist variabel und hängt vom Alter, Organbefall, von der Unterform der Erkrankung, von anderen Begleiterkrankungen (wie Allergien oder andere klonale myeloische Erkrankungen) und vom Ansprechen auf die Therapie ab. Der Großteil aller Patienten weist eine normale Lebenserwartung auf. Bei der kindlichen Mastozytose (in den meisten Fällen handelt es sich um eine kutane Mastozytose) heilt die Krankheit oft (jedoch nicht bei allen Patienten) kurz vor, während oder kurz nach der Pubertät ab.

 

Ist die Mastozytose vererbbar oder ansteckend ?

Die Mastozytose ist eine nicht ansteckende Erkrankung der Mastzellen und ihrer Vorläuferzellen. In den allermeisten Fällen wird kein anderes Familienmitglied im Laufe des Lebens eine Mastozytose entwickeln. Die familiäre Mastozytose ist eine außergewöhnlich seltene Erkrankung mit einer geschätzten Häufigkeit von weniger als 1:100 unter allen Patienten mit Mastozytose.

 

Unterformen der Mastozytose

Es gibt verschiedene Unterformen (Varianten oder Subvarianten) der Mastozytose. Die WHO unterscheidet folgende Erkrankungskategorien (vgl PubMed):

 

  • Kutane Mastozytose (CM)

  • Indolente systemische Mastozytose (ISM)

  • systemische Mastozytose (SM) mit assoziierter klonaler hämatologischer Nicht-Mastzell-Erkrankung (SM-AHNMD)

  • Aggresssive systemische Mastozytose (ASM)

  • Mastzellleukämie

  • Mastzellsarkom

  • Extrakutanes Mastozytom

 

Die kutane Mastozytose entwickelt sich in der Regel in der frühen Kindheit, während die Mastzellerkrankung des Erwachsenenalters sich meist als systemische Variante der Mastozytose herausstellt. Die meisten erwachsenen Patienten leider unter einer indolenten systemischen Mastozytose = ISM. Alle anderen Unterformen der Mastozytose (SM-AHNMD, aggressive systemische Mastozytose, Mastzellleukämie, Mastzellarkom und extrakutanes Mastozytom) werden selten diagnostiziert.

Die meisten kindlichen Patienten mit CM weisen einen gutartigen und oft selbst-limitierten klinischen Verlauf auf. Die Erkrankung bildet sich oft spontan während der Pubertät zurück (s.o.). In der Regel entwickeln Kinder keine aggressiven Formen der Erkrankung.

Bei der kindlichen Mastozytose gibt es einige besondere Aspekte zu den Hautveränderungen. Z.B. wird eine Blasenbildung der Hautveränderungen nur bei Kindern mit Mastozytose beobachtet. Auch eine diffuse Hautbeteiligung (= diffuse kutane Mastozytose) findet sich ausschließlich bei Kindern. Das gleiche gilt für Mastozytome der Haut, bei denen es sich um solide gutartige Mastzelltumoren handelt. Im allgemeinen ist die Prognose der kindlichen Mastozytose sehr gut. Folgende Subvarianten der CM wurden beschrieben:

 

  • Urticaria pigmentosa (UP) = makulopapulöse kutane Mastozytose

  • Diffuse kutane Mastozytose (DCM)

  • Mastozytom der Haut

 

Bei Diagnosestellung läßt sich der natürliche klinische Verlauf der CM bei Kindern nicht vorhersagen. Folgende Verläufe kommen vor: i. spontane Rückbildung (häufig beobachtet), ii. Andauern der CM bis ins Erwachsenenalter (sehr selten) und iii. Andauern bis ins Erwachsenenalter mit „Entwicklung“ in eine systemische Mastozytose (selten). Ein Fortschreiten in eine „schwerwiegende“ Mastzellerkrankung (aggressive Mastozytose oder Mastzellleukämie) wurde bisher nicht beschrieben.

Der natürliche klinische Verlauf der systemischen Mastozytose (SM) ist ebenfalls variabel. Die meisten Patienten sind bei Diagnosestellung erwachsen und weisen eine ISM mit guter Prognose und normaler oder fast normaler Lebenserwartung auf. Aggressive Formen der Erkrankung werden selten diagnostiziert. Diese Kategorien schließen die Mastzellleukämie und die aggressive systemische Mastozytose ein. Bei diesen Patienten ist die Prognose ungünstig. Besonders bei Patienten mit Mastzellleukämie, bei der Mastzellen im peripheren Blut gefunden werden, nimmt die Erkrankung einen ungünstigen Verlauf. Bei fast allen dieser Patienten fehlen Hautveränderungen.

Bei der SM-AHNMD sollten beide Komponenten der Erkrankung, die systemische Mastozytose und die assozierte klonale hämatologische Nicht-Mastzell-Erkrankung (AHNMD) weiter klassifiziert werden. Die systemische Mastozytose kann entweder aggressiv (ASM) oder indolent (ISM) sein, je nach klinischer Präsentation. Bei der assoziierten hämatologischen Erkrankung handelt es sich häufig um eine myeloische Leukämie oder ein myelodysplastisches Syndrom (MDS). Im Fall einer akuten (myeloischen) Leukämie ist die Prognose ungünstig.

Lokalisierte (nicht-kutane) Mastzelltumoren (Mastozytome, Mastzellsarkome), sind ebenfalls selten. Die natürliche klinische Verlauf und die Prognose der Mastozytome ist gut. Im Gegensatz dazu geht ein Mastzellsarkom, ein extrem seltener Tumor, oft in eine Mastzellleukämie über und weist damit eine ungünstige Prognose auf (ähnlich der der Mastzellleukämie).

Ein wichtiger Aspekt bei der Heterogenität der Krankheitsausprägung sind die Mediator-assoziierten Symptome (SY). Diese können bei jeder Unterform der CM und SM auftreten und ein großes klinisches Problem darstellen. Die entsprechenden Symptome können von milden und tolerablen Beschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Episoden mit Hypotonie und Schock reichen (s.u.).

 

Wie wird die Mastocytose diagnostiziert ?

Bei jedem Patienten wird der Arzt zunächst eine gründliche körperliche Untersuchung einschließlich eingehender Inspektion der Hautoberfläche durchführen. Die Diagnose einer Mastozytose basiert auf einer histologischen Untersuchung des betroffenen Organs und auf präinvasiven (durchgeführt vor der Biopsie) und postinvasiven (durchgeführt nach der Biopsie) Tests. Übliche präinvasive Tests sind Routinelaborparameter und die Messung der Tryptase im Serum, in spezieller Screening-Test für Patienten mit Mastozytose. Für diese Untersuchungen bittet der Arzt den Patienten wenige Milliliter peripheren venösen Bluts zu spenden. Bei erhöhtem Tryptasesepiegel ist die Wahrscheinlichkeit einer systemischen Mastozytyose hoch (obwohl erhöhte Tryptasewerte nicht absolut spezifisch für SM sind). Eine Hautbiopsie wird für alle bei Verdacht auf Mastozytose und sichtbaren Hautveränderungen (Flecken, fleck- und knötchenförmige Veränderungen) empfohlen. Eine Knochenmarkstanzbiopsie ist bei Verdacht auf eine systemische Mastozytose erforderlich. Bei Beginn der Erkrankung im Erwachsenenalter wird immer eine gründliche Knochenmarkuntersuchung empfohlen. Hingegen ist diese bei Kindern in den meisten Fällen nicht notwendig, da die meisten Patienten normale Tryptasespiegel aufweisen und damit die Wahrscheinlichkeit einer SM sehr gering ist.

Die histologische Untersuchung der Haut oder des Knochenmarks (oder beidem) kann typische Mastzellinfiltrate zeigen, die für die Diagnose einer (systemischen oder kutanen) Mastozytose hinweisend sind. Zusätzlich kann die Biopsie (die Histologie) Aufschluß geben über die Unterform der Mastozytose. Durch das Knochenmarkaspirat können zusätzliche wichtige Informationen gewonnen werden einschließlich Mastzellphänotyp, Vorhandensein einer C-kit-Mutation oder Vorhandensein einer unabhängigen klonalen hämatologischen, nicht der Mastzellreihe zuzuordnenden Erkrankung (AHNMD).

Die WHO-Konsensusklassifikation unterscheidet zwischen Haupt- und Nebenkriterien um eine systemische Mastozytose sicher zu diagnostizieren (SM-Kriterien, vgl PubMed). Diese Kriterien beinhalten die Histologie des Knochenmarks oder eines anderen extrakutanen Organs (Hauptkriterium), ungewöhnliche Mastzellzytologie (Nebenkriterium), Expression von CD2 und/oder CD25 auf Knochenmarkmastzellen (Nebenkriterium), Vorhandensein der C-kit-Mutation in Kodon 816 im Knochenmark oder einem anderen extrakutanen Organ (Nebenkriterium) und einen erhöhten Serumtryptasespiegel, z.B. >20 ng/ml (Nebenkriterium).Wenn ein Haupt- und ein Nebenkriterium oder wenigstens drei Nebenkriterien erfüllt sind, kann die Diagnose SM gestellt werden. Weitere Einzelheiten zur Klassifikation und diagnostischen Kriterien wurden durch die WHO publiziert (vgl: Klassification and ICD-code).

 

Durch welche Symptome ist die Mastozytose gekennzeichnet ?

Symptome der Mastozytose können:

i.  Ausschüttung chemischer Mediatoren aus Mastzellen = mediator-assoziierte Symptome (SY) oder durch

ii. aggressive Infiltration von Organen/Geweben durch Mastzellen mit nachfolgender Einschränkung der Organfunktion

Mastzellen synthetisieren und schütten Mediatoren und chemische Stoffe aus, die eine Vielzahl von vasoaktiven, koaguloaktiven und immunregulatorischen Moleküle wie Histamin, Heparin, Tryptase, Prostaglandine, Zytokine, Interleukine und viele andere einschließen. Diese Mediatoren können verschiedene Symptome verursachen, wie Kopfschmerzen, Osteoporose, Knochenschmerzen, Übelkeit, Juckreiz, Durchfälle, Bauchschmerzen und –krämpfe, Magengeschwür, Hypotonie oder sogar schwere anaphylaktoide Reaktionen mit Schock. Diese Symptome können bei allen Unterformen der Mastozytose und zu jedem Zeitpunkt im Krankheitsverlauf auftreten. Bei manchen Patienten sind die Symptome sehr gering, wohingegen andere Patienten schwerere Symptome aufweisen, die eine kontinuierliche Behandlung mit Medikamenten erfordern oder manchmal auch eine sofortige medizinische Intervention,  wie z.B. beim Auftreten eines anaphylaktischen Schocks.

Wie wird ein anaphylaktischer Schock definiert/erkannt? Ein anaphylaktischer Schock ist Folge einer massiven und plötzlichen Ausschüttung von Mediatoren aus Mastzellen. Bei kleinen Kindern können fehlende Reaktion auf Ansprache und Schlaffheit die einzigen Anzeichen sein. Ältere Kinder und Erwachsene können sich aufgrund einer plötzlichen Blutdrucksenkung schwindlig fühlen. Andere Symptome beinhalten Atemnot, Zungen- und Lippenschwellung, Flushs und ausgeprägte Hypotonie. Auslöser des anaphylaktischen Schocks können schwer zu eruieren sein, obwohl manchmal anaphylaktische Schocks nach Bienen- oder Wespenstich beobachtet werden. Es wird deshalb empfohlen, dass sich Patienten oder/und ihre Angehörigen mit dem Gebrauch eines Epinephrin-Injektors vertraut machen und diesen immer mitführen.

Definition von B-Symptomen: B-Symtome (hyperzelluläres Knochenmark, Zelldysplasie, Organomegalie, Infiltration mit morphologisch abnormen Mastzellen im Knochenmark, hoher Serumtryptasewert) zeigen die Beteiligung mehrerer myeloischer Zelllinien im Krankheitsprozess (Ausbreitung des Defekts auf verschiedene Zelllinien des Knochenmarks), oder einen ausgeprägten Anstieg der Mastzellzahl ohne Einschränkung von Organfunktionen (= kein C-Symptom) an. B-Symptome reflektieren ein grenzwertiges („schlummerndes“) Stadium mit unsicherem zukünftigen klinischen Verlauf, während C-Symptome immer ein Alarmsignal darstellen und möglicherweise auf eine erforderliche Therapie mit zytoreduktiven Substanzen hinweisen.

Definition von C-Symptomen: In der Regel beeinträchtigen Mastzellinfiltrate im Knochenmark oder in anderen Organen nicht die physiologische Funktion des jeweiligen Organs. Eine Funktionseinschränkung von Organen durch Mastzellinfiltrate wird nur bei den seltenen aggressiven Varianten der Mastozytose beobachtet (aggressive systemische Mastozytose, Mastzellleukämie, Mastzellsarkom und manche Patienten mit SM-AHNMD).

Die entsprechenden klinischen Symptome werden als C-Symptome bezeichnet. Zu diesen gehören:

 

  • Verminderung gesunder Blutzellen als Folge einer eingeschränkten Knochenmarkfunktion: Anämie (Schwäche, Luftnot), Leukopenie (neutropenische Infektionen) und Thrombopenie (Blutungsneigunt)

  • Frakturen als Folge von lokalen Mastzellinfiltraten des Knochens (Osteopenie, Osteolysen)

  • Gewichtsverlust

  • andere klinische Symptome

 

 

Bei Patienten mit aggressiven Mastzellerkrankungen können ein oder mehrere C-Symptome auftreten.

Die Wirkung der Mediatoren werden weder als B- noch als C-Symptom bezeichnet.

Merke:

B-Symptome = Borderline (grenzwertig) Benign (gutartig)

C-Symptome = Consider Cytoreduction or Chemotherapy (Zytoreduktion oder Chemotherapie sollte erwogen werden)

 

Wie wird die Mastozytose behandelt ?

Es gibt drei Möglichkeiten zur Behandlung der Mastozytose 1) Prophylaxe und Meiden von Auslösern, die zur Mediatorausschüttung führen, 2) Medikamente, die die Mediatorausschüttung verhindern/verringern und 3) zytoreduktive Therapie

Bei vielen Patienten mit Mastozytose treten keine Beschwerden auf – und damit ist keine Therapie notwendig. Manche Lehrbücher empfehlen auch für diese Patienten eine prophylaktische Einnahme von Antihistaminika. Tatsächlich können prophylaktisch eingenommene Antihistaminika dazu beitragen, Histamin-vermittelte Symptome und Erkrankungen zu verhindern (wie Magengeschwüre), auch wenn diese Symptome bis dahin unbekannt waren.

Das Erkennen und Meiden von Triggerfaktoren (= Faktoren, die eine schwere anaphylaktiode Reaktion auslösen können) ist äußerst wichtig. Da die Mastozytose eine sehr heterogene Erkrankung mit unterschiedlichen Reaktionen auf bestimmte Triggerfaktoren ist (z.B. kann ein Faktor bei einem Patienten eine Reizung der Mastzellen verursachen, während er bei einem anderen Patienten harmlos ist), ist es für den einzelnen Patienten sehr wichtig alle möglichen Triggerfaktoren zu erkennen und sie zu meiden. Die Triggerfaktoren können Allergene, Insekten, Nahrungsmittel, spezifische Zutaten, Umweltfaktoren, Reibung und auch emotionalen Streß einschließen. Hat der Patient einmal erkannt, welche spezifischen Triggerfaktoren eine Aktivierung der Mastzellen verursachen, sollten diese Trigger in Zukunft gemieden werden.

In der folgenden Liste werden die am häufigsten beschriebenen Triggerfaktoren für Mastozytose zusammengefaßt:

 

  • Medikamente - Beispiele: Amphotericin B, Chinin, Anästhetika wie Tetracain, Procain, Morphin oder Methylparaben-Konservierungsstoff, Kodein, d-Tubocurarin, Metocurin, Etomidat, Thiopental, Acetylsalicylsäure (ASS), Succinylcholin, Enfluran

  • Insektengifte (Biene, Wespe, Schlange, Qualle...) und andere Gifte

  • Physikalische Auslöser: körperliche Anstrengung, Hitze, Kälte, Reibung, Sonne

  • Alkohol

  • Nahrungsmittel und –zusätze/Konservierungsstoffe: heiße Speisen, scharfe Speisen

  • Emotionaler Streß

  • Einige bakterielle und virale Infektionen

  • Allergene (alle Arten)

 

Zwei wichtige Aspekte sind die Anästhetika und Allergien. Im Falle einer bekannten Allergie sollte das (verdächtige) Allergen strikt gemieden werden. Vor einer Operation sollten die Ärzte (sowohl der Chirurg als auch der Anästhesist) über das Bestehen einer Mastozytose informiert werden. Die Narkose sollte dann individuell angepaßt werden. Von manchen Autoren wird präoperativ eine Intrakutantestung empfohlen, um die Reaktion des Patienten auf das entsprechende Medikament besser einschätzen zu können.

Patienten mit Mastozytose werden verschiedene Medikamente verschrieben, die gegen eine Freisetzung von Mastzellmediatoren gerichtet sind. Die am häufigsten verwendeten Medikamente sind Antihistaminika, deren Wirkung auf der Blockade von spezifischen Rezeptoren für Histamin beruht. Es gibt zwei Hauptgruppen von Antihistaminika, die Antagonisten des H1- und des H2-Rezeptors.

H1-Antihistaminika werden eingesetzt um Juckreiz, Quaddeln und Flushs zu behandeln. Zum Teil können sie auch Magen-Darm-Beschwerden bessern. Beispiele für H1-Antihistaminika sind Hydroxyzin, Cetirizin, Loratradin oder Diphenhydramin.

H2-Antihistaminika werden zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden in Zusammenhang mit Mastozytose wie Magengeschwür oder Refluxkrankheit verwendet. Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise die Wirkstoffe Ranitidin und Famotidin.

Neben Antihistaminika werden verschiedene andere Medikamente bei Patienten mit Mastozytose eingesetzt um die Mediator-verursachten Symptome zu bessern. Dazu gehören Glukokortikosteroide, sogenannte Mastzellstabilisatoren (wie Cromoglycinsäure – wird verwendet um Durchfälle zu behandeln) oder Ketotifen, das auch ein wirksames H1-Antihsitaminikum darstellt.

Ein weiteres Medikament, das die Freisetzung von Mastzellmediatoren hemmt, ist Epinephrin, welches für die meisten schweren anaphylaktoiden Reaktionen mit Hypotonie und Schock hilfreich ist. Entsprechend den Empfehlungen verschiedener Lehrbücher sollten alle Mastozytosepatienten Notfallmedikamente einschließlich eines Epi-Pens (Epinephrin-Injektors) mit sich führen. Ein Epi-Pen wird in einer Notfallsituation verwendet zur Behandlung eines anaphylaktischen Schocks. Weitere Informationen bezüglich des Epi-Pens finden sich unter: Epipen Auto-Injector® http://www.allerex.ca/epi.htm..

Für jeden Patienten sollte die Behandlung der Mediator-verbundenen Symptome individuell durch den Arzt abgestimmt werden. Im Allgemeinen wird angestrebt, die Beschwerden durch den Einsatz von H1- und H2-Antihistaminika allein zu kontrollieren (ohne andere Medikamente). Falls erforderlich, wird der Arzt jedoch weitere Medikamente wie Kortikosteroide, Protonenpumpeninhibitoren oder anderen Substanzen verordnen.

Gebrauch von zytoreduktiven Medikamenten: Eine Vielzahl von zytoreduktiven Medikamenten werden eingesetzt um das Wachstum neoplastischer Mastzellen bei Patienten mit aggressiver Mastozytose und Mastzellleukämie zu einzudämmen. Diese Medikamente werden nicht verordnet für Patienten mit indolenter systemischer Mastozytose oder kutaner Mastozytose. Zytoreduktive Medikamente schließen Interferon-alpha, Cladribin (2CdA), Cytosinarabinosid, Hydroxyurea und viele andere Substanzen ein. In schweren Fällen kann eine Polychemotherapie erforderlich sein. Alle diese Medikamente sollten nur durch einen erfahrenen Hämatologen/Onkologen verschrieben werden, der mit der Mastozytose und den entsprechenden Behandlungsmethoden vertraut ist. Trotz der ständig wachsenden Erkenntnisse über die Mastozytose und die Entwicklung neuer Behandlungen bleibt die Mastozytose eine unheilbare Krankheit. Deshalb muß der Gewinn einer zytoreduktiven Therapie bei jedem einzelnen Patienten gegen ihre Nebenwirkungen und die Gesamtlebensqualität sorgfältig abgewogen werden. Ein anderer wichtiger Punkt ist das mutagene (erbgutverändernde) Potenzial mancher zytoreduktiver Medikamente. Deshalb sollten diese Substanzen möglichst nicht bei indolenter systemischer Mastozytose angewendet werden.

Manchmal werden Kortikosteroiden zur Behandlung von C-Symptomen bei Patienten mit aggressiver Mastozytose eingesetzt (bei Patienten mit Malabsorption oder Aszites). Für gewöhnlich werden die Glukokortikoide mit Interferon-alpha kombiniert. Sowohl Kortikosteroide als auch Interferon-alpha wirken zytoreduktiv auf Mastzellen, werden jedoch nicht als mutagen angesehen, da der menschliche Körper fast die gleiche Substanzen selbst bildet (in niedrigen Konzentrationen).

Besondere Behandlungsmöglichkeiten: Dazu gehören die operative Entfernung von Mastozytomen, die operative Entfernung der Milz (im Fall einer ausgeprägt vergrößerten Milz mit nachfolgender Zytopenie (Blutarmut) oder anderen klinischen Beschwerden) oder der Einsatz von Bisphosphonaten (im Fall einer schwerer Osteoporose oder Osteopenie). Eine PUVA-Behandlung (Psoralen und Ultraviolett-A) wird oft eingesetzt um dunkle Hautveränderungen abzublassen. In der Regel sind wiederholte Zyklen der PUVA-Behandlung notwendig, da die meisten Patienten nur vorübergehende Besserung zeigen.

Schließlich ist eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit für den Patienten und die Ärzte wichtig um bestmögliche Therapieerfolge zu erzielen.

Weitere Informationen über perioperative Überlegungen und Narkose für Patienten mit Mastozytose finden Sie in der Fachliteratur über den Link ´Literature´ auf dieser Internetseite und über PubMed: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi

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